Tauchausbildung: TL1 2023

Oktober 2025 – und nein, wir haben uns nicht im Datum geirrt. Tatsächlich hatten sich die meisten Teilnehmer bereits ein Jahr im Voraus für diesen Kurs angemeldet. Wenn ein Kurs einen solchen Ruf genießt, sind die Erwartungen natürlich hoch. Also reisten wir voller Vorfreude an die Schweizer Grenze.

Was uns dort erwartete, war allerdings mehr als nur Tauchen in der Strömung: Steine bezwingen, sich am Flussbett entlanghangeln und zwischendurch einfach mal fliegen. Aber der Reihe nach …

Am Samstagmorgen ging es mit einem kurzen, aber einprägsamen Theorieblock los.

Strömungen und ihre Entstehung standen ebenso auf dem Programm wie das Verhalten von Fischen, Pflanzen und natürlich den Neoprenpartikeln – alias Mittauchern – bei wechselnden Strömungsverhältnissen. Schließlich will man ja wissen, was sich wohin treiben lässt und ob man selbst noch hinterherkommt!

Beim Thema Ausrüstung wurde es spannend: Neoprenfüßlinge mit Laufsohle? Check! Warum wir plötzlich Taucher mit Wanderschuhen sein sollten, würde sich später noch zeigen. Und die Neoprenhandschuhe? Die durften ebenfalls zu Hause bleiben – Arbeitshandschuhe sind angesagt. Schließlich wollen wir nicht nur tauchen, sondern offenbar auch ordentlich anpacken!

Dafür wurde die Ausrüstungsliste erfreulich kurz: Kompass, Lampe, Boje? Bleibt alles in der Kiste! Orientierung ist offenbar überbewertet, und wer Licht braucht, ist hier sowieso falsch. Auch der zweite Atemregler durfte zu Hause bleiben. Schließlich soll der Buddy selbst schauen, wo er bleibt!

Eine kleine Einschränkung gab es allerdings: Wir arbeiten weiterhin nach dem Musketierprinzip – einer für alle, alle für einen. Lässt einer los, lassen alle los!

Unter Wasser wird weniger geschwommen als gekrabbelt. Die Flossen dienen dabei hauptsächlich der Stabilisierung – Schwimmstil war gestern!
Nachdem wir nun theoretisch bestens auf das Abenteuer Flusstauchen vorbereitet waren, konnten wir es kaum erwarten, endlich ins Wasser zu kommen. Zu guter Letzt wurden uns die Tauchplätze und der geplante Ablauf gezeigt. Und spätestens jetzt stieg die Vorfreude noch einmal, auch wenn wir langsam ahnten, warum unsere Füßlinge unbedingt eine Laufsohle brauchen …

Aber genug der Theorie – endlich ging es ans Wasser! Bei herrlichem Regenwetter machten wir uns auf den Weg nach Schaffhausen zur Rhybadi, einem historischen Freibad, in dem wir unsere ersten Runden drehen und uns zum ersten Mal in den Rhein wagen durften.

Dank des niedrigen Wasserstands hielt sich die Strömung in Grenzen – perfekt, um uns langsam an das neue Abenteuer heranzutasten. Dafür entpuppte sich der Gewässergrund als wahre Schatzkammer: Feuerzeuge, Bierflaschen, Würfel, Haarklammern und allerlei weiterer Krimskrams. Offenbar hatte sich hier über die Jahre so einiges angesammelt. Von Gold und Silber fehlte zwar jede Spur, aber langweilig wurde es beim Stöbern trotzdem nicht!

Auch einige Fischschwärme und Welse in unterschiedlichen Größen gab es zu entdecken. Die erhofften Lichterspiele mussten wir uns allerdings dazu denken. Sonne hatten wir an diesem Tag leider nicht mitgebucht.  

Nach zwei bis drei Tauchgängen hieß es dann: raus aus dem Wasser, für heute ist Schluss! Die ersten Erfahrungen im Rhein waren gesammelt und wir hatten schon einiges zu erzählen.

Den Abend ließen wir gemütlich im Landgasthof ausklingen. Doch während das Essen schmeckte und der Tag langsam ausklang, waren unsere Gedanken längst beim nächsten Morgen: Endlich richtig in den Rhein, endlich Strömung! Ein bisschen mehr Action durfte es schließlich schon sein. Wir waren gespannt, was der nächste Tag für uns bereithalten würde – und ahnten noch nicht, wie breit unser Grinsen nach den ersten Strömungstauchgängen werden sollte.

Neuer Tag, neues Glück!

Der Himmel hatte sein Bedürfnis nach Flüssigkeitsverlust fürs Erste eingestellt. Wurde auch Zeit – wer will beim Tauchen schließlich schon nass werden?

Also ging es erneut nach Schaffhausen, diesmal zur Flurlinger Brücke, rund drei Kilometer flussaufwärts des Rheinfalls. Hier sollte es endlich richtig zur Sache gehen und wir hofften auf ordentlich Strömung. Ein kleines Detail gab es allerdings noch zu beachten: den Rhein rechtzeitig wieder zu verlassen.

Unser Minimalziel für den Tag war also klar: Hauptsache, wir landen nicht im Rheinfall!

An der Einstiegsstelle angekommen, wurde schnell klar: Zum SK Flusstauchen könnte man eigentlich gleich noch ein SK Berggämse anbieten. Denn bevor wir überhaupt den Fluss erreichten, mussten erst einmal einige mächtige Steinquader bezwungen werden. Von wegen einfach abtauchen und loslegen!

Auch hier machte sich der niedrige Wasserstand bemerkbar. Immerhin ließ sich in der Flussmitte bereits eine leichte Strömung erkennen.

Beim Briefing wiederholten wir, wie wir uns unter Wasser fortbewegen sollten, um den Rhein zu queren. Und damit hieß es: einmal alles vergessen, was wir bis zu unserer bisherigen Brevetierung gelernt hatten! Elegantes Schweben? Perfekter Flossenschlag? Heute nicht! Stattdessen machten wir uns möglichst flach am Flussgrund, streckten die Hände nach vorne und hangelten uns wie überdimensionierte Wasserkäfer von Stein zu Stein. Die Flossen baumelten mehr oder weniger dekorativ hinterher. Aufwirbeln? Ach, was soll’s – die Strömung wird den aufgewirbelten Dreck schon mitnehmen!

Also rein in den Rhein, Kopf unter Wasser und los geht’s!

Doch auch hier machte sich der niedrige Wasserstand bemerkbar.

Bis zum ersten Brückenpfeiler war alles ein Kinderspiel. Als wir den Pfeiler hinter uns gelassen hatten und uns in Richtung Flussmitte bewegten, konnten wir endlich eine Strömung ausmachen.

Genug, um uns auszumalen, was hier wohl abgeht, wenn der Rhein einmal ordentlich Wasser führt.

Also tauchten wir weiter und tasteten uns unter Wasser von Stein zu Stein, hinter den Brückenpfeiler konnten wir im Strömungsschatten nochmal kurz die Arme ausschütteln, bevor es ein letztes Mal krabbeln hieß.

Am anderen Ufer angekommen, wartete schon das nächste Hilfsmittel auf uns: ein Stahlseil, an dem wir uns flussaufwärts hangeln konnten. Und dann kam endlich der Moment, auf den wir alle gewartet hatten: Loslassen und fliegen!

Plötzlich hieß es nicht mehr krabbeln und ziehen, sondern treiben lassen. Die Strömung übernahm das Kommando und beförderte uns gemütlich flussabwärts. Ein herrliches Gefühl! Doch bevor wir uns allzu sehr ans Fliegen gewöhnen konnten, mussten wir den Rhein ein letztes Mal queren, um wieder auf der richtigen Seite ans Ufer zu gelangen.

Einige hatten riesiges Glück und trafen auf jede Menge Welse. Andere mussten sich mit Aalen begnügen, die fast als Haltegriff genutzt worden wären, sowie mit Barschen und Hechten. Aber auch die wollten erst einmal entdeckt werden!

Kaum aus dem Wasser, war Schluss mit Schweben und Fliegen: Flossen unter den Arm und zurück zum Einstieg marschieren! Jetzt schlug die Stunde unserer Füßlinge mit Laufsohle – denn wer flusstaucht, muss auch wandern können. Nach einigen Runden stand am Auto der Boxenstopp zum Flaschenwechsel an. Flaschen voll, Grinsen breit, ab zurück in die Strömung!

Viel zu schnell war es Mittag und damit der Kurs leider auch schon wieder vorbei. Wir hätten uns gern noch ein paar Runden durch die Strömung treiben lassen!

Die wichtigste Erkenntnis des Wochenendes?

Wer plötzlich den Stein in der Hand hält, an dem er sich gerade noch festhalten wollte, hat ein Problem. Gilt übrigens beim Klettern genauso!

Wir möchten uns ganz herzlich bei Jo und seinem Team bedanken für das Unvergessliche Wochenende. Diesen Kurs können wir nur wärmstens empfehlen und hat uns unglaublich viel Spaß gemacht